LOKAL #10: Arth

Endlich ging es für unser Team in die Schweiz. In das Land der Taschenmesser, Genießer – und in das Land der unglaublichen Vielfalt, auf die wir bei unserer Tour in und um Arth gestoßen sind.

Los ging es am Montag. Georg, Fotograf Toby und Lektorin Ulrike war etwas früher vor Ort und haben sich schon mal nach einer Kochlocation für den nächsten Tag umgeschaut. Unser Freund Dominik Flammer, der Mitinhaber der Zürcher Agentur Public History Research und unter anderem Autor des Buches „Das kulinarische Erbe der Alpen“ ist, hat uns den Haldihof wärmstens empfohlen: „Ein absoluter Pflichtbesuch!“ Der sollte es also werden. Bruno Muff war sofort angetan, hat uns über seine Brennerei erzählt und uns den Neubau inklusive Küche gezeigt. Einquartiert haben uns Georg, Toby und Uli in einer Jugendherberge inklusive Stockbetten und Blick auf den See – traumhaft! Kochlocation und Schlafplatz waren also organisiert. Aber wo finden wir Produkte in einem Umkreis von 15 Kilometer? Erster (Muss-)Halt: Wissifluh.

Erst waren wir ein wenig verwirrt: Unser Navi hat uns irgendwie ins Leere geführt. Es gab nichts außer einem kleinen Holzhäuschen, das mit einem alten Telefon ausgestattet war. Es hat geschüttet ohne Ende, keiner von uns wollte so recht das Auto verlassen. Fast hätten wir die Station ausgelassen und wären weitergefahren, aber Simon hat – zum Glück – einen Dickkopf. Am anderen Ende der Leitung nimmt Sylvia Trionfini ab, die gemeinsam mit ihrem Mann Jürg oben auf dem Berg wohnt. Der einzige Weg dorthin: Die kleine rote Bergseilbahn neben dem Telefon. Erst ist Sylvia ein bisschen misstrauisch, bedient dann aber doch die Bahn und holt uns rauf: „Immer nur vier auf einmal und bringt die Post mit“, sagt sie uns. Dort oben auf dem Berghof Wissifluh, der Hotel und Einkehrstube in einem ist, ist ein bisschen die Zeit stehengeblieben. Die Luft ist rein, wir atmen durch, spazieren durch den kurzen Waldweg direkt auf Sylvia und Jürgs Haus zu. Eine Katze wirft sich uns zu Füßen und lässt sich kraulen, der vier Monate alte Welpe möchte auch eine Streicheleinheit und die Trionfinis setzen sich mit uns in ihrer Stube zusammen. Bei Nussbaumtee gibt’s Geschichten rund um die Wissifluh-Hütte. Sie erzählen uns über den Tatort, der hier mal gespielt hat, warum Homöopathie alles andere als Schmarrn ist, zeigen uns ihre Wollschweine und laufen mit uns ihren großen Garten ab, um uns Gemüse, Kräuter und Schweinefett mit einer Selbstverständlichkeit zu geben, für die wir unendlich dankbar sind. Drei Stunden haben wir auf dem Berg verbracht. Es war unglaublich. Das ganze Team wäre am liebsten noch ein paar Tage länger geblieben. Bei so viel Herzlichkeit, Gastfreundschaft, Großzügigkeit und Fröhlichkeit ist das kein Wunder – vielen, vielen Dank, liebe Sylvia, lieber Jürg, es war wunderbar bei euch!

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Mit Vesper im Gepäck (selbst getrocknete Wollschweinwurst und selbst gebackenes Brot) ging es wieder bergab – bildlich geschrieben. Der Tag war schon fast vorbei, wir hatten mehr Produkte als genug, trotzdem wollten wir noch ein bisschen von der Vielfalt der Gegend mitnehmen. Die beiden nächsten Stops liefen kürzer ab, dafür aber nicht weniger ertragreich. Auf dem Gemüsehof Zurmühle fanden wir das erste Mal auf LOKAL-Tour Tomaten und Gurken, außerdem Radieschensprossen und grüne Bohnen. Bei Michael auf dem Fluofeld Biohof gab es – auch zum ersten Mal – Blumenkohl, Erdbeeren und Himbeeren. Wie gesagt: Die Schweiz hat uns mit Vielfalt überrascht.

Und abends dann, ja, dann waren wir platt und haben fast den schönen Ausblick aus dem Panoramafenster der Pizzeria verpasst. Man könnte meinen, dass wir so viel gar nicht machen an diesen zwei Tagen LOKAL-Tour. Jeden Tag aber haben wir so viele Dinge gesehen, gehört und erlebt, fallen abends erschöpft ins Bett und sind im Nu eingeschlafen – wenn nicht ein gewisser Mitreisender ab und zu laut schnarchen würde.  😉

Der nächste Tag beginnt für die drei Jungs mit einem Sprung in den kalten Vierwaldstättersee. Die Mädels haben lieber heimlich Fotos in sicherer Entfernung gemacht und den ersten Kaffee zwischen einer Horde Viertklässler getrunken, bevor der Tag begann. Danach ging’s los zu Bruno auf den Haldihof – Vorbereitung war angesagt: Esstisch aufbauen, Getränke auftreiben, Fleisch anbraten, Erdbeeren schneiden, Kartoffeln abkochen, und und und. Alle packten wie immer mit an, damit die Gäste um 13 Uhr ein Mittagessen auf dem Teller haben. Danach, wenn der letzte Gang serviert wurde, werden wir alle ruhiger. Wir setzen uns dazu, reden über die vergangenen beiden Tage, philosophieren über unseren Antrieb, den der „Bios“. Es tut gut, sich auszutauschen. Jeder erzählt von seinem Werdegang, was noch kommt, was so schön ist am jeweiligen Leben. Und dann wissen wir immer: Irgendwie hat das schon seine Daseinsberechtigung, unsere Lebensweise und damit unser Projekt. Dieser Traum vom nachhaltigen, saisonalen, fairen Leben, der ist nicht in weiter Ferne, wir leben ihn genau jetzt, in diesem Moment. Danke, dass ihr, liebe LOKAL-Freunde, uns begleitet!

Euer Simon und euer Georg

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