LOKAL #5: Lech am Arlberg

Lech am Arlberg – kann es noch besser werden? Wir lieben jeden einzelnen Ort, an den ihr uns schickt: Ausnahmslos überall haben wir bis jetzt wunderbare Menschen getroffen, die ein unglaubliches Wissen über das Land haben, auf dem sie leben. Und bisher haben wir immer lokale Bio-Lebensmittel gefunden, womit wir leckere Gerichte kochen konnten. Wir werden sehen, wie es bei den nächsten sechs Reisen weitergeht – nach jedem Ort freuen wir uns jedes Mal noch mehr auf das, was uns als Nächstes erwartet!

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Heute geht es aber erst mal um unsere letzte Challenge im Januar: Lech am Arlberg, was warst du schön! Übernachtet haben wir bei Vreni Wingelmayr und ihrer Familie im Hotel Lech. Von unserer Base aus ging es am Montagmorgen direkt zu Familie Walch und ihrem Hof inklusive Pension – der erste und einzige Biobauernhof in Lech am Arlberg – haben wir ein Glück! Als Claudia Walch uns eine kleine Tour durch den Rinderstall gibt, fällt uns sofort der frische Duft nach Kräutern und Blüten auf – der konservierte Duft des Sommers in Form von selbst gemähtem Heu von den Wiesen der Arlberg-Region. Eine Kreuzung aus Braun-, Fleckvieh und Holsteiner werden damit in den Wintermonaten gefüttert. Die Kreuzung deshalb, weil die Kühe von Claudia und Leo auch Milch produzieren. Die Menge an Fleisch, die am Ende gegessen werden kann, ist damit natürlich nicht so hoch wie bei einer reinen Mastrasse, dafür aber umso zarter und schmackhafter. Danke für Milch, Tafelspitz, Rinderhüfte und Honig! Den produzieren die fleißigen Bienchen von Claudia und Leo.

Gemeinsam mit Vreni haben wir uns dann ein schönes Plätzchen für unsere Grillstation am nächsten Tag ausgeguckt – mitten auf der Ski-Piste! Und dieses kleine Plätzchen haben wir auch gefunden …

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Bei Angelika haben wir als nächstes an der Haustüre geklopft – und wurden von einer herzlichen und sympathischen, aber kritischen und meinungsstarken Dame empfangen, die uns zuerst auf den Zahn gefühlt hat. Nachdem wir von unserer Herkunft und von unserer Bio-Überzeugung erzählt haben, worum es uns bei LOKAL geht und warum wir nur Lebensmittel aus einem Umkreis von 15 Kilometer verwenden, hat sie uns einen sehr großen Einblick in ihre Welt gegeben. Angelika macht alles, was geht, selbst: Angefangen bei Butter, über Quark bis hin zum eigenen Käse – Ziger zum Beispiel. Und für ihre Kälbchen und Pferde gibt es bei verstimmtem Magen Nacktschnecken. Mmhh, lecker.

Weiter ging es für uns zu Bernhard Wolf und seiner Tochter Angelika Stark-Wolf. Bernhard ist 101 Jahre alt, hier geboren, hat sein ganzes Leben in diesem Ort gelebt und in der umliegenden Gegend Landwirtschaft betrieben – noch heute läuft er täglich ein paar Kilometer zum Stall und hilft seinem Schwiegersohn beim Umschichten von Heu. Als Bernhard mit leiser Stimme von früher erzählt, wie man damals gelebt, gegessen und dem Winter getrotzt hat, sind wir alle ganz still, um ja nichts zu verpassen. Wenn wir nach seinen kleinen aber feinen Weisheiten wie „Schaffen für zwei, essen für einen“ noch nicht völlig informationsüberflutet waren, dann spätestens nachdem uns Tochter Angelika in der guten Stube, mit Ausblick auf die verschneiten Berge und den blauen Himmel, über die Kräuter in der Arlberg-Region aufgeklärt hat. Von ihr haben wir außerdem die getrockneten Kräuter für unseren Tee bekommen, den wir am nächsten Tag auf der Piste gekocht haben.

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Fast, aber noch nicht ganz, waren wir durch für den ersten Tag in Lech am Arlberg. Doch wir wollten uns noch mit Thorsten Probost, Küchenchef im Burg Vital Resort, über seine Küchen-Philosophie unterhalten – unter anderem Selbstversorgerin Angelika hat uns geraten, mit ihm zu sprechen. Sehr spannend ist, dass er seine Kreativität in der Küche mit wertvollen Erkenntnissen aus der Ernährungswissenschaft kombiniert. In seinem Fall heißt das: Es werden nur naturbelassene Lebensmittel verwendet und Kräuter und Gewürze spielen eine sehr große Rolle in seinen Gerichten. Mehr Infos dazu plus leckere Lieblingsgerichte von Thorsten findet ihr auch auf dem vitalKOCHEN-Blog. Wen wir dann noch vor der Haustüre getroffen haben: Simon, selber Koch und für die Saison zum Arbeiten auf dem Berg, hat Lech am Arlberg in den Lostopf geschmissen. Danke dir dafür!

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Und dann waren wir erst einmal platt. Im positiven Sinne, na klar! So viele Eindrücke, so viel Schnee und so viele Höhenmeter. In der Hotel-Küche durften wir noch schnell unseren Tafelspitz in die warme Milch legen, worin er dann zusammen mit ein wenig Honig und Salz für 12 Stunden ganz langsam butterzart gegart wurde.

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Am nächsten Morgen ging es mit Sack und Pack (sprich: Fleisch, Grill, Tischen und Stühlen) hoch hinaus zu unserem ausgesuchten Plätzchen: eine kleine Kreuzung, wo sich zwei Ski-Pisten treffen. Es wurde geräuchert, gegessen, sogar ein bisschen getanzt und gesungen, vor allem aber viel gesprochen – mit Leo Walch zum Beispiel, der mit seinen Skiern vorbeikam und wissen wollte, was wir da aus seinem Fleisch zaubern. Und mit Thomas, dem Metzger aus Mühlenbach, der die Rinderhüfte so auseinandernahm, dass kein Teil verschwendet wurde. Nach und nach blieben die Skier neugierig bei uns stehen, versprachen bei ihrer nächsten Abfahrt Halt zu machen, sobald der Tafelspitz und die Rinderhüfte fertig geräuchert waren. So war es dann auch und wir waren happy. Über diese unglaublichen Menschen, diese unfassbare Einfachheit der Berge und über ein leckeres Gericht aus den Zutaten, die der Winter und die Vorratskammer eben gerade zu bieten haben.

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