Lokal und bio – das Nonplusultra!

Für viele ist es immer noch verwirrend: Ist bio vertrauenswürdig? Und was umfasst der Begriff eigentlich? Ob LOKAL oder bio: Hinter beiden Begriffen steckt mehr als vielleicht erwartet.

WAS BEDEUTET BIO?

Die Begriffe bio und öko, aber auch Natur oder natürlich sind seit 1993 für den pflanzlichen und seit 1999 für den tierischen Produktionsbereich durch die Bio-Verordnung der Europäischen Union gesetzlich geschützt. Das heißt: Nur was hundertprozentig bio ist, darf sich auch so nennen. Konkret muss ein Bio-Produkt aus Zutaten bestehen, die aus ökologisch oder biologisch kontrolliertem Anbau stammen, und nach ökologischen Verarbeitungsregeln hergestellt sein.

Für Tiere und tierische Produkte sind Futter aus rein ökologischem Anbau und artgemäße Haltung Pflicht. Das verbietet unethische und schändliche Massentierhaltung, die Tiere zu reiner Ware reduziert, die sie in Käfigen oder auf engstem Raum zusammenpfercht und ein zwar kurzes, aber häufig schmerzvolles Dasein fristen lässt. Die enorme Keimbelastung in der konventionellen Schweinemast liegt auf der Hand und wird oft durch Antibiotikazusätze im Futter vorbeugend bekämpft, obwohl laut Tierschutzgesetz bei allen Tiergattungen nur die Einzelbehandlung kranker Tiere erlaubt ist. In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 1700 Tonnen (85 Prozent) Antibiotika als Tierarzneimittel verabreicht, 300 Tonnen (15 Prozent) in der Humanmedizin.

Was bio ist und im Handel auch so bezeichnet werden darf, legen in den EU-Ländern staatliche und/oder amtlich zugelassene private Öko-Kontrollstellen fest. Zusätzlich vergeben ökologische Anbauverbände wie Biokreis, demeter, Bioland oder Naturland ihre Bio-Siegel nach eigenen Richtlinien, deren Einhaltung sie regelmäßig kontrollieren. Einen Überblick über die meisten Siegel, die es derzeit auf dem Bio-Lebensmittelmarkt gibt, und über ihre Bedeutung bekommt ihr unter www.label-online.de.

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LOKAL“: BEDEUTET REGIONAL GLEICH „AUS DER REGION“?

Nun kommt ein neuer Trend aus der Richtung der Medien: „Regional ist das neue bio“, ließ uns das Nachrichtenmagazin Focus vor kurzem wissen. In unserem Fall bedeutet regional gleich LOKAL: Das ist der Antrieb des Projektes von Simon Tress und mir. Ein demeter-Landwirt sah das auf einer Podiumsdiskussion, an der auch ich teilnahm, ganz anders. Er sagte: „Regional (bzw. lokal) heißt für mich, dass man weiß, wo das Gift herkommt.“ Also: Bio und regional gehören zusammen! Wenn man sich nur mal einigen könnte, was regional heißt! So lange es da keine echte Einigung gibt, nennen wir das, was wir meinen, LOKAL. Wie ihr seht: Es besteht bis heute eine gewisse Uneinigkeit über die Definition des Begriffs.

Oft heißt LOKAL lediglich, dass die Verarbeitung in der Umgebung stattgefunden hat, wo die Ware vertrieben wird, die Rohstoffe aber vom anderen Ende der Welt stammen können. Oder das Produkt kommt einfach aus der Region Deutschland. Da muss man als Verbraucher schon genau hinsehen, denn regional oder auch lokal sind keine geschützten Begriffe wie bio oder öko.

Und: Lokalität schafft Vertrauen. Ich als Verbraucher möchte doch wissen, woher die Ware stammt, die ich verzehre. Den Bauern, Käser, Metzger oder Bäcker würde ich nach Möglichkeit gerne mal kennenlernen. Viele Bio-Betriebe und Manufakturen bieten aus diesem Grund Hof- und Betriebsbesichtigungen an und binden so die nach Alternativen suchende Kundschaft an sich. Hof- und Dorfläden erleben vielerorts ein Revival. Kein Wunder!

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DU HAST ES IN DER HAND – SAISONAL: JA ODER NEIN?

Viele sagen sich: Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, im Winter Bio-Erdbeeren aus Chile oder Bio-Äpfel aus Neuseeland zu essen. Die sind zwar biologisch erzeugt, werden aber jetfresh, wie es so hübsch heißt, über Tausende von Kilometern hergeflogen. Wir fördern mit unserem Einkauf dann zwar den Ökolandbau in den entsprechenden Länder, der Anbau ist selbstverständlich nach den Bio-Regeln der EU kontrolliert und entsprechend gekennzeichnet, aber die CO2-Bilanz ist natürlich äußerst suboptimal.

Wenn ohne Flug keine gute Qualität zu bekommen ist, müssen alle für sich entscheiden, ob oder wie oft sie Bio-Ananas kaufen wollen, denn die Ökobilanz ist dahin. Sicher ist: Die Ananas ist schon mal bio, kein Plantagenarbeiter kommt mit Gift in Berührung und die Entlohnung ist häufig viel besser. Sie schmeckt besser als die unreif geerntete Ananas, die mit dem Kühlschiff kommt, und unvergleichlich rund, süß und gut – leider! Ob diese partielle „Korrektheit“ der Ananas akzeptabel ist oder zu wenig, bleibt der Kundschaft überlassen. Jeder muss das bewusst für sich entscheiden. Ich selbst kaufe mir eine solche Ananas oder Mango vielleicht einmal im Jahr. Es ist dann, wie wenn man teure Bio-Pralinen kauft! Übrigens: Kaffee, Kakao, Gewürze und Tee werden mit dem Schiff transportiert.

MACH‘ DICH AUF DIE SUCHE!

Ein LOKALES Produkt, das im optimalen Reifezeitpunkt geerntet wurde, oder Fleisch, das in deiner Nähe „gewachsen“ ist, schmeckt besser, weil es eben keine weiten Reisen hinter sich hat. Und weil es nicht endlos durch Kühlhäuser und über LKW-Rampen geschoben worden ist. Im Übrigen schafft das LOKALE Produkt Arbeit in deiner Region. Auf dem bäuerlichen Familienbetrieb genauso wie in der handwerklich geprägten Metzgerei, Bäckerei oder Käserei, die sonst vom Aussterben bedroht wären.

Du selbst hast es also mit in der Hand, wie die Lebensmittel, die wir täglich essen dürfen, produziert werden. Simon und ich wollen Lust auf LOKAL machen. Nimm Dir ein bisschen Zeit dafür und Du wirst sehen und schmecken, wie gut das tut, nicht einfach nur in den Supermarkt zu laufen!

Zusammenfassend lässt sich sagen: Bio allein reicht nicht aus und bildet lediglich ein alternatives landwirtschaftliches Produktionssystem ab, das für eine möglichst natürliche Weiterverarbeitung der Agrarerzeugnisse steht. Gutes Lebensmittelhandwerk ist unmittelbar mit Lokalität verbunden – ob bio oder nicht. Wir als Verbraucher sind so nah genug an der Quelle dran, können unserem Metzger ins Gesicht schauen und unserem Bäcker die Hand schütteln. Das Schöne: Am Ende darf jeder alleine entscheiden, was für einen selbst vertretbar ist.

Euer Georg Schweisfurth

 

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